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Personale Leibtherapie
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Dürckheim, K. (1976): Meditieren -
wozu und wie?
Die Wende zum Initiatischen. Freiburg: Herder, S. 230ff: |
Die Wendung zum Initiatischen kommt heute auch in neuen Weisen der
Leibtherapie zum Ausdruck. Bisher war sie einseitig beherrscht von
pragmatischen Gesichtspunkten und diente der Erhaltung und
Wiederherstellung von Gesundheit und Arbeitskraft. Ihre Übungen
erforderten vor allem einen disziplinierten Willen des Patienten zur
Leistung. Mit dem Auftauchen des initiatischen Anspruchs körperlich
leidender, aber auch ebenso kerngesunder Menschen entwickelt sich eine
Arbeit am Leibe, die nicht die Leistungsfähigkeit, d. h. den
leistungsfähigen Körper - man ist versucht zu sagen: den Außenleib -,
sondern die Innengestalt des Menschen, den Innenleib, im Auge hat. Er
ist die Weise, in der der Mensch sich als mehr oder weniger fern oder
nahe zu seinem Wesen darlebt. So tritt beispielsweise an die Stelle
der Massage des Körpers die Behandlung des Menschen. Immer beginnt sie
mit einer Anleitung zur Selbstwahrnehmung, zu einem Spüren nach innen,
das bis zu großer Perfektion der Wahrnehmung aller großen und kleinen
Spannungen führen kann, die dem wesensgemäßen Leben des Leibes im Wege
stehen. Die Auflösung von Fehlformen darf nicht nur der
Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit und die Arbeit an der rechten
Form nicht nur der schönen Gestalt, sondern beides soll dem
Transparentwerden des Leibes zur Möglichkeit der Selbsterfahrung im
Wesen und seiner Manifestation in einer dem Inbild gemäßen Gestalt
dienen. Hier liegt die Bedeutung der Eutonie als Schulung zu
differenzierter Selbstwahrnehmung. Und auch das autogene Training von
J. H. Schultz kann über seinen pragmatischen Nutzen hinaus, den
Menschen vor den Schäden des Stresses unserer Zeit zu bewahren oder
von ihnen zu heilen, zur Vorbereitung auf Seinsfühlungen und
Seinserfahrungen dienen, wenn die initiatische Einstellung hinzukommt.
So auch kann die Leibtherapie, wo sie sich der Bewegung und der
Gebärde bedient, als Bewegungs- und Tanztherapie eine neue Bedeutung
gewinnen, wenn sie in initiatischer Einstellung ausgeübt wird. Auch
hier hängt wieder alles davon ab, ob sich der Lehrende des
Unterschiedes zwischen pragmatischer (wie auch ästhetischer) und
initiatischer Orientierung seines Tuns bewußt ist und wie weit er
seinen Schüler nicht nur als einen werdenden Könner, sondern vor allem
als eine zur Transparenz bestimmte Person im Auge hat. Er muß selbst
die erste Voraussetzung erfüllen, in unablässiger Arbeit an sich
selbst zu stehen. Unabsehbar wäre der Segen, wenn diese Einstellung im
Bereich des Sportes ihren Einzug hielte. Wer einmal sich des Segens
bewußt wurde, der aus allem Tun fließt, das aus initiatischer
Einstellung vollzogen wird, erschrickt angesichts der Einseitigkeit,
mit der im Bereich des Sportes nur die Höchstleistung den Maßstab gibt
und den Sinn aller Übung bestimmt.
Wo immer eine sportliche Leistung technisch beherrscht wird, besteht
die Möglichkeit, daß ihr Vollzug die Erfahrung einer tieferen Kraft
auslöst und eine numinose Qualität verspürt wird. Nur freilich, wo der
Übende solche Erfahrung ernst zu nehmen gelernt hat, kann sein
sportliches Üben und Können in einem tieferen Sinne fruchtbar werden
für sein weiteres Leben.
Was in der personalen Leibtherapie als besondere Praxis gelehrt und
geübt werden muß und besonderen Lehrern vorbehalten ist, ist im
Prinzip jedem als Chance und Aufgabe zugedacht, der sich auf dem
initiatischen Weg befindet. Keinen Augenblick seines Daseins ist der
sich zum WEG Bekennende entlassen aus der Verantwortung für die Weise,
in der er als Person da ist: zu seinem Wesen hin durchlässig oder
verstellt. Und es kennzeichnet die neue Einstellung zum Leibe die
Wende zum Initiatischen, die begonnen hat, den Menschen unserer Zeit
zu ergreifen, wo immer er zu denen gehört, in denen die Neue Zeit
aufgeht.
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